Grabenlos und klimaschonend

Netzbetreiber sehen sich mit einem steigenden Sanierungsbedarf konfrontiert. „Neue EU-Regelungen und die Herausforderung, angesichts des Klimawandels künftig verstärkt auf CO2-ärmere grabenlose Verfahren zu setzen, erfordern auch bei Trinkwasserleitungssanierungen den Einsatz innovativer Technologien. Die Diringer & Scheidel Rohrsanierung (D&S) hat in Schulzendorf bei Berlin gerade gezeigt, wie es geht“, verweist Steffen Hommel, Geschäftsführer IRS Sachsen mbH, auf eine Baumaßnahme, deren Besonderheit aus der Kombination von zwei innovativen Sanierungsverfahren besteht.

Trinkwasserleitung mit grabenlosen Verfahren DynTec und BlueLine saniert
Positionierung der PE-Einzelrohre vor dem Schweißvorgang im dahinter ersichtlichen Container | Foto: Benjamin Pritzkuleit

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Auf einer Länge von ca. 900 m war eine in den Jahren 1930 bis 1941 aus gemufftem Stahlrohr gebaute Trinkwassertransportleitung DN 600 dringend sanierungsbedürftig. Betreiber der Anlage ist die Dahme-Nuthe Wasser, Abwasserbetriebsgesellschaft mbH. In der Rohrbruchstatistik des Anlagenbetreibers stellt die Transportleitung einen Schwerpunkt dar. Seit 1999 mussten insgesamt 15 Rohrbrüche beseitigt werden mit einem immer ähnlichen Schadensbild: Lochkorrosion.

Der betroffene Sanierungsabschnitt verläuft parallel zur K6161 – Stadionstraße und Ernst-Thälmann-Straße – in einem vorwiegend unbefestigten Randstreifen zwischen Bürgersteig und Fahrbahn. In diesem Sanierungsabschnitt befinden sich drei Knoten- und Betriebspunkte – Schieberkreuze, Unterflurhydranten und Entleerungen. Die Leitungsüberdeckung liegt zwischen 1,20 m und 1,50 m.

Insgesamt stattliche 775 m misst der für die Sanierung erforderliche neue PE-Rohrstrang. | Foto: Benjamin Pritzkuleit
Insgesamt stattliche 775 m misst der für die Sanierung erforderliche neue PE-Rohrstrang. | Foto: Benjamin Pritzkuleit

Der Auftraggeber, der Märkische Abwasser- und Wasserverband mit Sitz in Königs Wusterhausen, und die von ihm beauftragte Ingenieurgesellschaft IRS Sachsen setzten hier gleich auf zwei innovative Technologien von D&S: Das BlueLine- und das DynTec-Verfahren wurden hier kombiniert angewendet.

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Beide Verfahren sind speziell für die grabenlose Sanierung von Druckrohrleitungen im Trinkwasserbereich entwickelt worden und erfüllen alle Bestimmungen des DVGW-Arbeitsblattes W270 und der „Leitlinie des Umweltbundesamtes zur hygienischen Beurteilung von organischen Materialien im Kontakt mit Trinkwasser“ (KTW-Leitlinie). Sie haben sich in der Praxis als ausgereift und langlebig bewährt und bieten Auftraggebern hygienisch sichere, effiziente und wirtschaftliche Sanierungsergebnisse. Hierzu D&S-Geschäftsführer Richard Mohr: „Grabenlose Sanierungsverfahren gewinnen in Zukunft immer mehr an Bedeutung. Entscheider können damit dem Sanierungsstau umwelt- und kostenfreundlich begegnen. Sanierungsaufgaben lösen wir sozusagen minimalinvasiv, d.h. nur mit einer Start- und Zielbaugrube und damit in wesentlich kürzerer Bauzeit.“

Die PE-Rohrleitung erreicht die Startgrube… | Foto: D&S
Die PE-Rohrleitung erreicht die Startgrube… | Foto: D&S

Die erforderlichen Tief- und Rohrleitungsbauarbeiten (Herstellung Gruben, Ausbau und Anbindung) wurden von der Diringer & Scheidel Bauunternehmung NL Dessau-Roßlau im ersten Bauabschnitt und von der RAKW Rohrleitungs- und Anlagenbau Königs-Wusterhausen im zweiten Bauabschnitt ausgeführt.

…und wird dort mittels Walzenführung von der Winde in das Altrohr eingezogen. | Foto: D&S
…und wird dort mittels Walzenführung von der Winde in das Altrohr eingezogen. | Foto: D&S

DynTec überzeugt auf der Langstrecke

Für die Sanierung des mittleren Rohrleitungsabschnitts wurden die benötigten PE-Rohre zu einem 775 m langen Rohrstrang zusammengeschweißt. Dieser wurde vor seiner Einbringung durch ein sogenanntes Dyntec-Rig gezogen. In diesem befindet sich ein Gesenk, das wie ein Trichter den Außendurchmesser des PE-Rohrs um ca. 8 bis 10 Prozent reduziert. Mit dem auf diese Weise verkleinerten Querschnitt wird der neue Rohrstrang in der Zielbaugrube in die alte Leitung eingezogen. Dort angekommen wird die Zugkraft entspannt und der sogenannte Memory-Effekt des Polyethylens tritt ein. Das Material dehnt sich nahezu in den Ursprungsquerschnitt zurück und das neue PE-HD-Rohr legt sich eng („close-fit“) an die alte Rohrleitung an.
Grafische Darstellung DynTec-Verfahren | Foto: D&S
Grafische Darstellung DynTec-Verfahren | Foto: D&S

BlueLine meistert Bögen und Düker

Das technisch aufwändigere BlueLine-Verfahren kam in Schulzendorf für die restlichen 155 m der beiden Endabschnitte mit Richtungswechseln in der Leitungsführung und einem Düker zum Einsatz. Denn der BlueLiner erlaubt eine Bogengängigkeit bis zu 45°, sodass auch eine Sanierung dieses Leitungsabschnittes problemlos möglich war.

Mobile Tränkfabrik von D&S für die Liner-Imprägnierung | Foto: Benjamin Pritzkuleit
Mobile Tränkfabrik von D&S für die Liner-Imprägnierung | Foto: Benjamin Pritzkuleit

Beim BlueLiner handelt es sich um einen flexiblen Schlauch, bestehend aus einem innenseitig mit Polyolefin beschichteten Verbundmaterial aus Glas und Filz. Er wird unmittelbar vor dem Einbau in einer mobilen Tränkanlage vor Ort unter definierten und reproduzierbaren Qualitätsbedingungen mit einem Zweikomponenten-Epoxidharz unter Vakuum imprägniert, kalibriert und in die vorhandene Rohrleitung eingebracht. Die Komponenten der mobilen Tränkanlage sind dabei optimal auf das Verfahren abgestimmt.

Inversion des BlueLiners über die Drucktrommel | Foto: D&S
Inversion des BlueLiners über die Drucktrommel | Foto: D&S

Die SPS-gesteuerte, vollautomatische Mischanlage arbeitet als geschlossenes System. Harz- und Härtertank sind vollklimatisiert. Auf diese Weise kann die gleichbleibende Harztemperatur unabhängig von äußeren Einflüssen gehalten werden. Definierte Harz- und Härtermengen werden über eine regelbare Förderpumpe zum Zwangsmischer transportiert, unter Luftausschluss zusammengeführt und anschließend in den vakuumierten Liner eingebracht und kalibriert. Alle systemrelevanten Daten werden durch integrierte, elektronische Messgeräte permanent dokumentiert und überwacht.

Das Schlauchlinermaterial ist sehr bogengängig. | Foto: Benjamin Pritzkuleit
Das Schlauchlinermaterial ist sehr bogengängig. | Foto: Benjamin Pritzkuleit
Den Fachleuten stehen zwei unterschiedliche Einbauvarianten zur Verfügung. Beim hier angewandten BlueLine-Inversionsverfahren erfolgte die Inversion mit Druckluft oder mittels hydrostatischer Wassersäule. „Bereits vor der Installation des Inliners werden die glasfaserverstärkten Epoxidharzflansche System Codure an den Rohrleitungsenden positioniert. Die Inversion des Inliners erfolgt durch den Flansch und durch die gemeinsame Aushärtung wird eine ausgezeichnete Verbindung mit dem Liner erzielt. Das entstehende voll tragfähige System bietet eine längskraftschlüssige Verbindung und ist unabhängig vom Altrohr. Das Flanschsystem Codure ist kompatibel zu Standardbauteilen (nach DIN oder ANSI). Inliner und Flansch sind beide aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Diese Kombination ergibt eine sanierte Rohrleitung aus einem homogenen Werkstoff, dessen Standard und Qualität den Anforderungen einer Herstellung im Werk entspricht“, erläutert Richard Mohr.
Nach der Härtung entsteht beim BlueLine-Verfahren ein neues Rohr im Altrohr. | Foto: D&S
Nach der Härtung entsteht beim BlueLine-Verfahren ein neues Rohr im Altrohr. | Foto: D&S

Im Prozess der Aushärtung entsteht also ein neues Rohr im Rohr. Die Konstruktion ist alleine tragfähig und übernimmt ohne jegliche Unterstützung des schadhaften Altrohres sämtliche statischen Außen- und Innenlasten. Dabei erstreckt sich der BlueLine-Anwendungsbereich auf die Nennweiten DN 200 bis DN 1000 bei unterschiedlichen Einbaulängen bis 200 m und mehr, je nach statischer Anforderung mit einer Wandstärke von 5 bis 21 mm. Der maximale Betriebsdruck liegt bei bis zu 16 bar.

Abschussarbeiten am GFK-Flansch | Foto: D&S
Abschussarbeiten am GFK-Flansch | Foto: D&S

Von dem leistungsstarken Paket aus modernster Sanierungstechnik und hochwertigen Harzsystemen profitieren Netzbetreiber und Auftraggeber gleichermaßen, denn es handelt sich um technisch ausgereifte, langlebige und wirtschaftliche Sanierungsergebnisse. Dies gilt auch für die Sanierungsmaßnahme in Eichwalde-Schulzendorf. Entsprechend zufrieden zeigten sich nach erfolgreicher Fertigstellung und Wiederinbetriebnahme der sanierten Trinkwassertransportleitung alle Beteiligten.

Grafische Darstellung BlueLine-Verfahren | Foto: D&S
Grafische Darstellung BlueLine-Verfahren | Foto: D&S

Trinkwasserleitung mit grabenlosen Verfahren DynTec und BlueLine saniert: Weitere Bilder

Die einzelnen PE-Rohre werden im Container zu einem Strang verschweißt. | Foto: Benjamin Pritzkuleit
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Quelle: Diringer


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