Bau-Transformation und Fachkräftemangel bestimmen das VDBUM-Großseminar
Die Branche verfügt über viele Tools, um sich zukunftsfähig aufzustellen. Woran es noch mangelt, sind der Wille mancher Akteure, die Verlässlichkeit der Politik, die Unterstützung von Behörden und vor allem die Fachkräfte. So lautet das Fazit des 53. Großseminars des Verbands der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik e.V. (VDBUM) vom 11. bis 14. Februar in Willingen.

Digitale und ökologische Transformation der Bauindustrie

Wacker Neuson setzt konsequent auf „zero emission“ und verfolgt bei der Digitalisierung die Strategie einer offenen Plattform. Die neue Kabine ist mit MiC 4.0-Technik ausgestattet. „Standardisierung ist für als Anwender äußerst wichtig“, bekräftigte Angela Papenburg und beklagte, dass „die Politik überhaupt nicht weiß, welche Rahmenbedingungen wir benötigen“. Holger Schulz berichtete, dass Zeppelin viel Geld in die Hand nehme, um die Niederlassungen klimaneutral aufzustellen. Über das Baumaschinen-Fernsteuersystem Cat Command, das Bedienern ermöglicht, abseits der Maschine und außerhalb des Gefahrenbereichs zu arbeiten, sagte Schulz: „Wir befinden uns auf einer Reise. Wir haben ein zertifiziertes Produkt und lernen gemeinsam mit den Kunden.“
Wie abhängig auch die Bauindustrie von den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ist, legte Christoph Heusgen als scheidender Chef der Münchener Sicherheitskonferenz in seinem Vortrag dar. Sein „kurzer Ritt durch die Weltpolitik“ inklusive eines Rückblicks auf die Amtszeit von Angela Merkel, deren außen- und sicherheitspolitischer Berater er bis 2021 war, fesselte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Großseminars. „Aus meiner Sicht hat nun die Stunde Europas geschlagen“, fasste er zusammen.
Bauindustrie muss nachhaltiger werden
Das Vortragsprogramm im VDBUM-Seminar startete mit der Podiumsdiskussion. Wie sich die Transformation der Baubranche mit Blick auf die Themen Digitalisierung, Fachkräftemangel und Nachhaltigkeit gestalten lässt, diskutierte Moderatorin Alexandra von Lingen mit Martin Friewald, Sonderbeauftragter der Geschäftsführung „Die Autobahn GmbH des Bundes“ und Aufbaugeschäftsführer der Autobahn GmbH, Martin Zappe, Programmleitung Salcos, Salzgitter Flachstahl GmbH, Ralf Lüddemann, Mitglied des Vorstands der Strabag, Walter Nussel MdL, Beauftragter für Bürokratieabbau der bayerischen Staatsregierung, sowie VDBUM-Präsident Dirk Bennje.
„Wir sind verantwortlich für 1 % des deutschen CO2-Ausstoßes“, erläuterte Martin Zappe. Mit dem Projekt Salcos will die Salzgitter AG die klimafreundliche Stahlproduktion durch den Einsatz von Wasserstoff erreichen. So lange dieser noch nicht verfügbar ist, laute das Ziel CO2-reduzierte Stahlproduktion. Zappe erklärte, dass CO2-neutraler Stahl irgendwann Standard sein werde. Da die Kosten für den Ausstoß weiter erheblich steigen werden, sei dies alternativlos. Die Schlacke, die im Zuge des Salcos-Programms produziert wird, „ist ein hervorragendes Material für den Straßenbau und kann so in die Kreislaufwirtschaft eingebracht werden“, so Zappe.
Digitalisierung und Bürokratieabbau in der Bauindustrie

„Ich versuche, Ihnen wieder mehr Beinfreiheit zu geben“, richtete sich der bayerische Bürokratieabbau-Beauftragte Walter Nussel an die Branchenvertreter. 2018 hatte er den „Praxischeck Bürokratie“ angestoßen und berichtete von Erfolgen. Wichtig sei, ministeriumsübergreifend zu arbeiten. Der „wahnsinnige Kontrollwahn“ müsse aufhören und das Personal effizienter eingesetzt werden.
„Es ist Luft nach oben“, sagte Martin Friewald über die bisherigen Erfolge der Autobahn GmbH. Sie ist noch immer damit beschäftigt, die teils sehr unterschiedlichen Verordnungen der 16 Bundesländer zusammenzuführen. Aktuell fahre man von 1.250 auf 150 Anwendungen herunter. „Die BIM-Pilotprojekte stehen in den Startlöchern“, sagte er. In zwei bis drei Jahren solle dies standardmäßig umgesetzt werden. Der digitale Zwilling käme bei jeder neuen Brücke.
Ralf Lüddemann beklagte, dass das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz das Tagesgeschäft enorm hemme. „Wir müssen uns vernetzen, damit die digitale Baustelle läuft. Alle Akteure am Bau müssen zusammen spielen“, erklärte er. Die Strabag sei Ende 2025 BIM-ready auf rund 100 Baustellen. An Friewald gerichtet, zeigte er sich verärgert drüber, dass der Bau einer Brücke zehneinhalb Jahre dauert – drei Jahre Bau, siebeneinhalb Jahre Planung. „Das muss schneller werden“. Er sei empört darüber, dass in Deutschland, wie in Dresden geschehen, eine Brücke einstürzen kann.
„Ich finde Bürokratie gut – zumindest in einem gewissen Maß“, erklärte Bennje. Dies höre allerdings auf in einem Land, in dem es 16 verschiedene Bauverordnungen gebe. Der Verband sehe sich als Mittler zwischen Herstellern und Anwendern und wolle der Branche als Berater zur Verfügung stehen. „Wir möchten im Vorfeld neuer Verordnungen mit am Tisch sitzen und darauf achten, dass die Dinge umsetzbar sind.“ Er berichtete, dass der VDBUM sich für das Thema digitale Transformation gerade mit dem Experten Dr. Christian Kreyenschmidt verstärkt hat, „denn dieses Thema kann man nicht nebenbei machen.“ Dem angegriffenen Freiwald sprang Bennje zur Seite: Dass nun 4.000 Brücken als direkt gefährdet gelten, läge auch daran, dass es neue Bewertungen gibt.
Fachkräftemangel beschäftigt die Baubranche
Beim Thema Fachkräftemangel gingen die Meinungen weniger auseinander. Die eigene Ausbildung sei ein absolutes Fokus-Thema bei Salzgitter Flachstahl und Strabag. Friewald berichtete, dass jeder, der sich bei der Autobahn GmbH ausbilden lässt, eine Übernahmegarantie erhält. Lüddemann erklärte, dass man auch in Afrika nach neuen Mitarbeitern suche: „Ich wünsche mir endlich eine gute Migrationsdebatte, die sich nicht nur mit kriminellen Menschen beschäftigt, sondern mit denen, die wir in Lohn und Brot führen wollen“. Der VDBUM werde weiter Anstrengungen unternehmen, „um qualifizierte Leute für diese coole Branche zu finden, und wir arbeiten daran, diese Branche weiter zu promoten“, versprach Bennje. Sein Fazit der Podiumsdiskussion lautete: „Wir konnten bei vielen Fragen den Finger in die Wunde legen und so auch optimistische Dinge mitnehmen. Der Wandel ist in vollem Fluss.“
Am Ende vieler Vorträge folgten spannende und erkenntnisreiche Diskussionen. Als Beispiel dienen die Vorträge von Aqua Evolution Systems und Oilfix. Die einen hatten „Der Blaue“, ein einfaches und geniales System zum Auffangen von Öl vorgestellt, die anderen eine sichere Lösung, mit der Baggerführer Öl-Leckagen aus der Kabine per Knopfdruck stoppen können. Die Referenten erhielten aus dem Publikum konkrete Vorschläge, wie die Produkte besser promotet werden könnten oder dass man versuchen solle, eine Förderung durch die BG Bau zu erhalten. Netz- und Nutzwerken im besten Sinne also.
Gute Gespräche in der VDBUM-Fachausstellung
Bestens frequentiert war wieder einmal die Fachausstellung. 117 Ausstellende waren im Kongresszentrum und mit größeren Exponaten im Außenbereich vertreten, mit einem guten Mix von langjährigen und neuen Ausstellern. Neun Start-ups waren mit von der Partie. Erstmals dabei waren auch drei Unternehmen aus dem Bereich Gesundheitsmanagement. Die Gesundheit der Mitarbeitenden gewinne immer mehr an Bedeutung, da Prävention Unternehmen weit weniger kostete als lange krankheitsbedingte Ausfälle und keine Fachkraft lange verzichtbar sei, hatte VDBUM-Geschäftsführer Dieter Schnittjer beim Presserundgang erläutert.
Den Fachkräftemangel lindern helfen soll das VDBUM-Patenschaftsprogramm: Mit seinen Partnern GP Günter Papenburg, Lectura, Topcon, Strabag und TWF ermöglichte der VDBUM 22 Studierenden und Meisterschüler*innen die kostenlose Teilnahme am Großseminar. „Wir hatten diesmal sogar Wiederholungstäter dabei“, wusste VDBUM-Vorstand Jan Scholten. Gemeint waren damit Studierende, die zu Beginn ihres Studiums Gelegenheit hatten, Branchenluft zu schnuppern und nun zum Studienende Kontakte ausbauen und erste Karriereschritte angehen wollen.
DMS Baggerschildsteuerung gewinnt VDBUM-Förderpreis

VDBUM-Arbeitskreise und Mitgliederversammlung
Eine starke Beteiligung konnte der Tag der Arbeitskreise am Freitag verbuchen. Das Format wurde 2024 erstmals veranstaltet. Zu Beginn der diesjährigen Ausgabe zogen sich die fünf Arbeitskreise „Elektrotechnik“, „Turmdrehkrane“, „Werkstatt 4.0“, „Baulogistik“ und „Wasserstoff im Schienenverkehr“ zu Gesprächen zurück und versammelten sich schließlich wieder in großer Runde. Die Sprecher berichteten von sehr guten Diskussionen und auch davon, dass konkrete Ziele festgelegt worden sind. Exemplarisch sei hier der AK Werkstatt 4.0 beschrieben. Hier sollen als Testballon für Hersteller und Baufirmen drei modellhafte Baumaschinen digital zusammengetragen und von den Mitgliedern des AK geprüft werden. Das Ziel ist zu ergründen, was sich medienbruchfrei liefern lässt. Alle Arbeitskreise haben bereits weiterführende Gespräche vereinbart.
Im Bau kennen wir uns aus!
Für Sie bauen wir unseren Newsletter mit den relevantesten Neuigkeiten aus der Branche.
Gleich abonnieren!


Auf der VDBUM-Mitgliederversammlung war nicht nur der neue Präsident gewählt worden. Marco Fecke, Vorstandsmitglied seit 2022 ist neuer Vizepräsident, Dirk Jank wurde zum neuen Vorstandsmitglied gewählt. Karl Mitter, ehemaliges Vorstandsmitglied, wurde eine besondere Ehre zuteil. Er war vor Ort und wurde ausgezeichnet für seine 50-jährige VDBUM-Mitgliedschaft.
Die nächste Gelegenheit, beim VDBUM-Großseminar dabei zu sein und nichts Wichtiges zu verpassen, besteht vom 10. bis 13. Februar 2026 in Willingen.
Neueste Beiträge:
Meistgelesene Artikel
Für welche Leistungsart interessieren Sie sich?


Bauleistungen


Dienstleistungen


Lieferleistungen
Verwandte Bau-Themen:
Top Bau-Themen:
Jetzt zum Newsletter anmelden:
Lesen Sie Nachrichten zu Bauwirtschaft und Baupolitik aus erster Hand. Plus: Hoch-, Tief- und Straßenbau.