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EU-Kommission schlägt umfassende Reform des Vergaberechts vor

Die Europäische Kommission hat am 9. September 2026 einen weitreichenden Vorschlag zur Modernisierung und Vereinfachung des europäischen Vergaberechts vorgelegt.

Die Europäische Kommission plant eine Zusammenfassung der Vergaberichtlinien und neue Vorgaben für Wertungskriterien. | Foto: NoName_13 / Pixabay
Die Europäische Kommission plant eine Zusammenfassung der Vergaberichtlinien und neue Vorgaben für Wertungskriterien. | Foto: NoName_13 / Pixabay

Die Europäische Kommission hat am 9. September 2026 einen weitreichenden Vorschlag zur Modernisierung und Vereinfachung des europäischen Vergaberechts vorgelegt. Ziel der neuen „Public Procurement Regulation“ (Vergabeverordnung) ist es, die derzeitigen komplexen Vorschriften zu bündeln, den Binnenmarkt zu stärken und öffentliche Investitionen stärker an strategischen, umweltpolitischen und sozialen Zielen auszurichten.

Mit dem Reformvorschlag reagiert die Kommission auf Defizite wie sinkenden Wettbewerb und geringe grenzüberschreitende Beteiligung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).

Die wichtigsten geplanten Änderungen im Überblick

Um den Rechtsrahmen kohärenter zu gestalten, plant die Kommission einen Systemwechsel: Die bisherigen drei Vergaberichtlinien (darunter die klassische Vergaberichtlinie 2014/24/EU) sollen durch eine einzige, unmittelbar geltende EU-Verordnung ersetzt werden. Dies soll Divergenzen bei der nationalen Umsetzung (beispielsweise in VgV, VOB/A oder SektVO) künftig verhindern.

Vereinfachung der Verfahren

Der neue Rechtsrahmen soll öffentlichen Auftraggebern deutlich mehr Flexibilität einräumen und das öffentliche Auftragswesen stärker an privatwirtschaftliche Beschaffungsprozesse angleichen.

  • Reduzierung der Verfahrensarten: Die Anzahl der Verfahren soll von derzeit fünf auf drei reduziert werden.

  • Mehr Verhandlungsspielraum: Verhandlungen mit Bewerbern sollen während des Verfahrens grundsätzlich erleichtert werden.

  • Innovationsverfahren: Ein neues Verfahren zur Entwicklung und Beschaffung noch nicht marktreifer, innovativer Lösungen wird eingeführt.

Erwartet wird eine jährliche Verwaltungskostenersparnis von insgesamt 650 Millionen Euro (80 Millionen Euro für öffentliche Auftraggeber und 570 Millionen Euro für Wirtschaftsteilnehmer).

Einheitlicher digitaler Marktplatz

Ein Kernelement zum Abbau von Bürokratie ist die Schaffung eines integrierten digitalen Beschaffungsmarktplatzes. Dieser soll die bestehenden E-Vergabe-Plattformen der Mitgliedstaaten miteinander vernetzen. Automatisierte Prüfungen, Once-Only-Prinzip sowie Datentausch und Transparenz sollen Vergabeverfahren erleichtern.

Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis (BPQR) wird zum Standard

Die neue Verordnung rückt qualitative Aspekte deutlich in den Vordergrund. Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis (Best Price-Quality Ratio, BPQR) wird zur Standard-Zuschlagsmethode erhoben. Öffentliche Auftraggeber müssen bei der Zuschlagserteilung künftig systematisch Aspekte wie Umwelt, Soziales, Innovation sowie Sicherheit und Resilienz berücksichtigen, behalten jedoch den Ermessensspielraum bei der genauen Ausgestaltung der Kriterien.

Strategische Autonomie und „Europäische Präferenz“

In Anlehnung an geopolitische Herausforderungen stärkt der Entwurf die Resilienz von Lieferketten, insbesondere im Bereich kritischer Infrastrukturen. Zudem wird ein horizontaler Rahmen für eine „Europäische Präferenz“ eingeführt.Dieser stellt sicher, dass europäische Steuergelder vorrangig der europäischen Wirtschaft zugutekommen, solange dies mit internationalen Verpflichtungen vereinbar ist. Die Kommission erhält zudem die Befugnis, den Marktzugang für Drittstaaten zu beschränken, falls diese europäischen Unternehmen keinen fairen Zugang gewähren oder wenn dies zum Schutz der wirtschaftlichen Sicherheit erforderlich ist.

Nächste Schritte:

Der Verordnungsvorschlag wird nun im Europäischen Parlament und im Rat der Europäischen Union verhandelt. Ein Zeitpunkt für das Inkrafttreten steht noch nicht fest.

Quelle: EU Kommission | B_I MEDIEN


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